Nachdem es nun schon länger keinen Beitrag hier gegeben hat und ich leider auch keine neuen Fotos habe, die ich zeigen könnte, gibts hier eben nun mal ein kleines Kommentar von mir (Johannes) zu dem vorherrschendem Bildungssystem in Singapur. Der Beitrag ist (aufgrund meiner tief sitzenden Ablehnung dieses Systems) leider ziemlich ablehnend und oft sarkastisch ausgefallen. Sorry ;)
Bene distanziert sich übrigens von meinem Beitrag hier ;) Ich muss hier aber einfach mal etwas Dampf ablassen:
Habt ihr schonmal jemand in Europa während einer Diskussion in der Schule/Uni sagen hören "Ich habe das Gefühl, es könnte sein, dass ..."? Nein? Ihr Glücklichen...
Hier in Singapur ist das leider anders. Nachdem hier nach dem amerikanischen Modell unterrichtet wird, wird Mitarbeit (class participation) regelmäßg benotet und stellt einen nicht unwichtigen Teil der Note dar. Hört sich im Prinzip nach keiner schlechten Idee an, oder? Leider falsch gedacht...
Der Hintergedanke des Systems mag zwar gut sein (mehr Mitarbeit sollte das Verständniss fördern), die Auswirkungen davon gehen mir aber leider ziemlich auf die Nerven.
1.) Mitarbeitet ist wichtig, also muss man etwas sagen, egal ob man nun weiß was die Antwort ist oder nicht. Ein dumpfes Gefühl reicht hier vollkommen aus. Dadurch kommen dann auch so nette Sätze wie der aus der Einleitung zusammen.
Selbst wenn man keine Ahnung hat um was es geht und nichtmal das Buch gelesen hat wird hier fleißig "mitgearbeitet". Dies führt klarerweise des öfteren dazu, dass einfach Blödsinn gesagt wird. In Europa würde das natürlich sofort vom Professor korrigiert, aber beim amerkanischen System laufen die Dinge anders. Hier zählt so etwas als "interessante Diskussion" und anstatt, dass der Prof bei der Diskussion irgendwann einschreitet und sagt was nun richtig ist und was falsch, wird das Gespräch praktisch einfach laufen gelassen, mit der Hoffnung irgendwann zu einer "Einsicht" zu kommen.
2.) Diskussionen sind eigentlich ganz nett, selbst wenn öfters mal falsche Beiträge eingestreut sind. Damit bin ich eigentlich auch ziemlich einverstanden, nur gibts an der Geschichte leider wiedermal einen Haken...
Was soll man als Student ohne Ahnung über das behandelte Thema sagen, falls einem keine Aussage einfällt, man jedoch trotzdem "mitarbeiten" will? Richtig! Weitere Fragen stellen...
Leider unterscheiden sich diese "Fragen" leider kaum von den "Aussagen" in Punkt 1. Hauptziel hierbei ist es Mitarbeit zu erzielen. Ob die Frage nun zum Thema passt oder komplett an allem vorbeigeht was bisher besprochen wurde ist sekundär.
In jeder einzelnen Stunde passiert es somit, dass teilweise gute Fragen aufkommen, aber die Diskussion ruckzuck ins sinnlose abdriftet, da jeder versucht mit irgendwelchen Aussagen oder weiterleitenden Fragen Mitarbeit zu erzielen. Den Professor scheint das auch nicht wirklich zu stören und somit endet die Diskussion meist irgendwo im Nirvana und gelernt dabei hat man im Prinzip 0. Hauptsache man hat irgendwas gesagt, damit der Professor einem eine bessere Note gibt.
Wir resümieren mal kurz:
Wie verbessere ich meine Note in Singapur:
1.) Keine Ahnung haben, dazu stehen und ne doofe Aussage tätigen
2.) Keine Ahnung haben, nicht dazu stehen und lieber ne doofe Frage stellen
Natürlich gibts es hier in Singapur auch gute Studenten, mit denen so ein System wirklich Spaß macht und auch sinnvoll ist, leider scheine ich aber nicht so eine Klasse erwischt zu haben =/ Ich will hier auch nicht alles schlecht reden, aber ab und zu treibt mich das hier einfach in den Wahnsinn...
Naja, wo war ich stehengeblieben? Achja Punkt 3. Mein absoluter Liebling:
3.) Wie misst man Mitarbeit eigentlich am besten? Manche Professoren hier machen Strichlisten. Jeder Student der einen guten Beitrag tätigt bekommt einen Strich und daraus ergibt sich am Ende die Schlussnote. Find ich klasse (jetzt mal wirklich und ohne Sarkasmus ;))
Leider ist das aber nicht immer so. Unser geliebter Economics Professor macht das anscheinend eher nach "Gefühl". Kann er sich an einen Studenten erinner, bekommt der eine gute Noten, falls nicht, dann eben nicht.
Klingt an sich auch nicht minder gut, jedoch gibts hier wieder meinen geliebten Haken der im Detail steckt. An wen wird man sich wohl mehr erinnern? An denjenigen der kurz und bündig eine richtige Antwort gibt, oder an denjenigen der eine Diskussion anheizt oder den Professor mit einer gewagten "Aussage" zum nachdenken bringt?
In unserem Fall hier, leider an Person Numero 2...
Nach 2 Monaten amerikanischen System hab ich mitlerweile (dank unserer Halbzeitnoten) festgestellt, dass es tatsächlich bei einer Diskussion nicht darum geht das Buch gelesen zu haben und die Antwort zu wissen. Pustekuchen, es geht darum den Professor zum nachdenken zu bringen, damit er sich bei der Benotung an meinen Namen erinnert...
Ich finde das im Prinzip wirklich traurig, aber habe mich mitlerweile darauf eingestellt. Passende Antworten äußere ich zwar immer noch, aber mitlerweile fokusiere ich mich mehr darauf einfach irgendwas von mir zu geben. Hauptsache ich rede dabei länger und werfe irgendwelche interessanten Sachen auf...
Das amerikanische Unterrichtsmodell. Guter Grundgedanke, schlechte Ausführung. Wie sehr ich es hasse...
lg
ein gerade ziemlich genervter Johannes